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Soziale Gruppenbezeichnungen > Dynastie > Dekkhan-Dynastie

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Dekkhan-Dynastie  

Definition

  • Meyers Großes Konversations-Lexikon 1906: Dekhan (Deccan, v. sanskr. Dakschinā, die »rechte, d. h. südliche Weltgegend«), südlicher Teil Vorderindiens, das Dreieck, das im N. von der südlich des Tapti streichenden Kette und ihrer Fortsetzung, dem Hügelland am rechten Ufer des Godaweri, im O. von den Ostghats, im W. von den Westghats begrenzt wird, im S. in der Senkung Phalgat endet, welche die Eisenbahn von Madras nach Kalikut durchzieht. Es ist ein nach O. abgedachtes Tafelland, rauh und stark gewellt im W., mit ausgedehnten Ebenen im O.; im W. 1000–1300 m, im Innern 500–600 m hoch. Alle Flüsse entspringen in den Westghats und münden in den Bengalischen Meerbusen. Der Boden besteht vorwiegend aus schwarzer Erde (Zersetzungsprodukt der für D. charakteristischen weiten Basaltdecken) oder aus rotem Laterit. Beide sind fruchtbar, bedürfen aber künstlicher Bewässerung. Die Jahrestemperatur liegt zwischen 27,8 und 27,8°. Politisch gehört D. zu den Zentralprovinzen, den Präsidentschaften Bombay und Madras, zu Haidarabad und Maissur. – Um 500 n. Chr. soll sich Dschayasimha 1., aus Nordindien kommend, auf Kosten der drawidischen Pallawa im D. festgesetzt und das Hindureich der Tschâlukya gegründet haben, das schon um 600 den größten Teil des D. (zwischen Konkan und Orissa) umfaßte. 630 fand eine Zweiteilung statt: das östliche Tschâlukyareich bestand bis 1060, wo es den Tschola erlag; das westliche erlitt 747 durch die Râschtrakûta von Gudscharat eine schwere Schlappe, erholte sich aber seit 973 unter Tailapa, dem Stifter der spätern Tschalukyadynastie, gab einer Anzahl von Nebenlinien und Kleinstaaten das Leben und erlosch gegen 1200. Inzwischen überschwemmten seit 1001 mohammedanische Scharen Nordindien und drangen allmählich immer weiter auch nach dem D. vor. 1347 erklärte sich der schiitische Afghane Hasan Gango, Vizekönig Mohammeds ibn Toghluq in Dauladabad, unabhängig und begründete die Bahmanidynastie von Kulbarga; sein Nachfolger Mahmud Shah II. herrschte[596] 1482 über das ganze D. nördlich von Maissur. Während sich jedoch der Norden kurz danach in fünf mohammedanische Kleinstaaten (Berar 1484–1568, Bidschapur 1489–1686, Ahmednagar 1490–1595, Bidar 1492–1609 und Golkonda oder Haidarabad 1512–1687) auflöste, gedieh im Süden das 1326 begründete Reich von Widschayanagar rasch zu hoher Blüte: um 1400 war es bereits unbestritten die hinduische Vormacht von Kattak im Nordosten bis nach Trawankor im Südwesten. Erst als sich die mohammedanischen Staaten des Nordens vereint gegen den hinduischen Süden wendeten, brach Widschayanagar zusammen (in der zweiten Hälfte des 16. Jahrh.), und unter dem tatkräftigen Großmogul Aurangzeb verschwanden 1686/87 die letzten Reste auch der selbständigen islamischen Reiche im D. Von größerer Bedeutung wurde dagegen der von Siwadschi (einem kleinen Landbesitzer, der sich zum glücklichen Kämpfer gegen Aurangzeb emporschwang) 1674 gestiftete Staat der Marathen (s.d.). Diese traten 1774 als Gegner der Engländer auf, doch kam es 1782 zum vorläufigen Frieden, und 1818 wurde das Marathenreich im D. dem englischen Gebiet einverleibt. Vgl. Gribble, A history of the Deccan (Lond. 1895); Schmidt im 2. Bande von Helmolts »Weltgeschichte« (Leipz. 1902). | Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 4. Leipzig 1906, S. 596-597. | Permalink: http://www.zeno.org/nid/20006473636

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https://vocabs.acdh.oeaw.ac.at/traveldigital/Concept6000104

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