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Kuli  

Definition

  • Duden: 1. billiger Arbeiter in Süd- und Ostasien (zum Teil auch angeworben für die Kolonien in Süd- und Mittelamerika, Süd- und Ostafrika) | Meyers Großes Konversations-Lexikon 1907: Kuli (Coolie), in Vorderindien Name jedes Tagelöhners ohne Pachtbesitz, eine Verstümmelung des tamulischen woliya, nach andern von Kol (s. d.) abgeleitet; dann Bezeichnung für jeden aus Indien, dem Indischen Archipel, besonders aus China und Japan, nach tropischen Ländern zur Auswanderung veranlaßten Tagelöhner, der dort jene Arbeit verrichten soll, für die vor Unterdrückung des Sklavenhandels Neger angekauft wurden. In Britisch-Indien hat die außerordentliche Dichte der Bevölkerung in Madras zu einer mächtigen Auswanderung nach den Kaffee- (jetzt Tee-) Pflanzungen in Ceylon geführt, eine noch stärkere Auswanderung findet aus Bengalen nach den Teegärten von Assam statt. Zur Regelung dieser Auswanderung hat die indische Regierung sehr eingehende Verordnungen erlassen. Eine Anwerbung indischer Kulis für das Ausland begann 1842 von Mauritius aus, 1845 folgten Britisch-Westindien und Guayana, 1860 Natal, 1878 Fidschi. Von den französischen Kolonien führte Réunion zuerst 1860, Guayana und Französisch-Westindien 1873 und in demselben Jahr auch Surinam ostindische Kulis ein. Die Gesamtzahl der ausgewanderten indischen Kulis betrug 1897: 10,712, hob sich aber bis 1901 wieder auf 21,613, hauptsächlich wegen ihrer Verwendung beim Bau der Ugandabahn (1896–1901: 34,147). Die Auswanderung von Kulis nach französischen Kolonien (Réunion, Guayana, Westindien) hat seit 1888 ganz aufgehört. Die Heimkehrenden bringen oft bedeutende Ersparnisse mit sich. In China drängte die Dichte der Bevölkerung von jeher zur Auswanderung, die nach den Inseln des Indischen Archipels, nach Hinter- und Vorderindien seit langem stattgefunden hat. Mit der Entdeckung von Gold in Nordamerika und Australien seit 1850 begann schnell ein bedeutender Zug nach diesen Ländern, der aber infolge der seitens der Regierungen bereiteten Hindernisse später bedeutend abgenommen hat. Die Zahl sämtlicher Chinesen belief sich 1900 in den Vereinigten Staaten auf 90,167,1891 in Kanada auf 9129, in Australien 1901 auf rund 30,000, d. h. weniger als früher in der Kolonie Victoria allein. Hier hat das Fallen der Erträge der Goldfelder und die Einführung erschwerender Bedingungen (Kopfsteuer etc.) die Verminderung bewirkt. Während diese Auswanderung durchaus freiwillig war und die betreffenden Arbeiter als Kulis eigentlich nicht bezeichnet werden können, nahm sie mit Eröffnung der chinesischen Häfen durch den Frieden von Peking (1860) einen ganz andern Charakter an. Macao wurde der Mittelpunkt für die auch mit den verwerflichsten Mitteln erzwungene Auswanderung nach solchen Ländern, die Arbeiter für ihre Baumwoll- und Zuckerplantagen bedürfen. Indes schritten die englischen Behörden in Hongkong seit 1872 gegen die Schiffe, die mit geraubten Kulis Macao zusteuerten, energisch ein, und auch China erhob Beschwerde bei der portugiesischen Regierung, so daß letztere 30. Nov. 1873 sich genötigt sah, den Kulihandel in Macao gänzlich abzuschaffen. Diese Auswanderer erfuhren in Peru, wo 1876 sich 50,032 Kulis befanden, in Cuba (1877: 44,000) sowie in Kolumbien, wo bei den Eisenbahnarbeiten auf der Landenge von Panama chinesische Kulis in Masse hinstarben, die schmählichste Behandlung; eine menschenwürdige wurde ihnen in Peru und den spanisch-amerikanischen Besitzungen erst durch die seitens Chinas 26. Juni 1874 mit Peru und 6. Juni 1879 mit Spanien abgeschlossenen Verträge gesichert. Niederländisch-Indien empfängt seit geraumer Zeit einen[783] starken und wachsenden Zufluß chinesischer Kulis, deren 1900 dort etwa 460,000 gezählt wurden. In jüngster Zeit hat auch eine zunehmende Auswanderung nach Kaiser Wilhelms-Land, ganz besonders aber nach Hawaï stattgefunden, wo 1900 sich 25,742 Chinesen und 58,500 Japaner befanden. Die letztern begeben sich seit den letzten Jahren in immer größern Zahlen als Arbeiter ins Ausland, wo man sie den Chinesen weit vorzieht. In den Vereinigten Staaten lebten 1900: 24,610 Japaner. Auch Malaien sind neuerdings in größerer Zahl als Arbeiter ausgeführt worden, so nach Ceylon, wo 1901: 11,963 lebten, und nach Kaiser Wilhelms-Land. Vgl. Ratzel, Die chinesische Auswanderung (Berl. 1876); Gottwaldt, Die überseeische Auswanderung der Chinesen (Brem. 1903). | Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 11. Leipzig 1907, S. 783-784. | Permalink: http://www.zeno.org/nid/20006953387

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