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Manichäer  
DEFINITION
  • Duden: Anhänger des Manichäismus | Duden: Manichäismus: von Mani gestiftete gnostische Religion der späten Antike und des frühen Mittelalters, deren Ausgangspunkt ein radikaler Dualismus (von Licht und Finsternis, Gut und Böse, Geist und Materie) ist | Meyers Großes Konversations-Lexikon 1908: Manichäismus, eine seit dem 3. Jahrh. aufblühende, im 4. und 5. Jahrh. im Morgenland und Abendland verbreitete, aus dem babylonischen Gnostizismus herausgewachsene und mit christlichen Vorstellungen durchsetzte Religionsform. Der Stifter Mani (Manes, Manichäus), 215/216 von persischen Eltern in Babylonien geboren, trat 242 mit seiner Lehre hervor und fiel 276 unter König Bahram I. dem Haß der persischen Priester zum Opfer. Er wurde gekreuzigt und sein Leichnam geschunden. Seine Anhänger verehrten in ihm den von Christus im Johannes-Evangelium seinen Gläubigen verheißenen Parakleten (Fürsprecher), als den er sich selbst bezeichnet hatte. Der M. ist durch den ausgeprägtesten Dualismus charakterisiert, d. h. er beruht auf der Voraussetzung zweier von Ewigkeit zu Ewigkeit räumlich nebeneinander bestehender, sich direkt entgegengesetzter Grundwesen. Im Kampfe beider Prinzipien sind einige Lichtteile von der Materie verschlungen worden. Sie bilden die sogen. Weltseele, die sich nach Befreiung sehnt. Hieraus entwickelten die spätern, abendländischen Manichäer die Idee des leidenden Menschensohnes (Jesus patibilis). Dessen Erlösung betreiben von der Sonne aus die Lichtgeister durch ihre Propheten, namentlich durch Jesus. Dieser ist in einem Scheinleib in die Welt gekommen, um die Lichtseelen zu besonnen und an ihren Ursprung zu erinnern. Die Erlösung geschieht durch den Unterricht, den Christus begann, und den Manes als der Paraklet aus Christi Reden und aus selbst empfangenen Offenbarungen vollendet. Die Manichäer verwerfen daher das Alte Testament ganz und gebrauchen das Neue Testament nur mit Auswahl und nach Manes' eigner Deutung. Ihre Sittenlehre gebot die strengste Askese und zwar drei signacula (Kennzeichen): das signaculum oris, wonach der Genuß des Weines und Fleisches verboten war; das signaculum manus, wonach keiner Tiere töten oder Pflanzen beschädigen, überhaupt die Materie berühren sollte; das signaculum sinus wehrte insbes. aller Geschlechtslust, weil durch die Kinderzeugung der Teufel immer neue Kerker für die Seelen schaffe. Aber nur die Auserwählten (electi) oder Vollkommenen (perfecti) bewahrten die signacula streng, während die Hörer (auditores) im Ehestand lebten und durch ihre Arbeit die Auserwählten mit ernährten. Jedoch waren alle Manichäer zu den gleichen Gebeten viermal des Tages und zu strengen und häufigen Fasten verpflichtet. Der Gottesdienst war einfach; sie hatten weder Tempel, noch Altäre, noch Opfer. Das Hauptfest war im März der Todestag des Manes, das sogen. Bema. Die Manichäer verbreiteten sich rasch von den Grenzen Indiens bis nach Nordafrika, wo sie an Augustinus (s. d.) ihre vornehmste Eroberung machten, und Spanien, wurden aber seit 377 von der christlichen Kirche und bald auch im Perserreich hart verfolgt und endlich unterdrückt. Über ihren Zusammenhang mit den Priscillianisten und Paulicianern sowie mit den Katharern[223] des Mittelalters s. die betreffenden Artikel. Zu den morgenländischen und abendländischen Quellen über den ältern M., unter denen dort das 988 geschriebene arabische Buch Fihrist, hier die »Acta disputationis Archelai cum Manete« hervorragen, sind neuerdings in Turkistan aufgefundene Fragmente aus Manis Buche »Schâpûrakân«, seinem Evangelium und seinen Episteln sowie aus manichäischen Hymnen und Gebeten u. a. getreten. Vgl. Keßler, Mânî. Forschungen über die manichäische Religion (Berl. 1889, Bd. 1); Harnack, Lehrbuch der Dogmengeschichte, Bd. 1(3. Aufl., Freiburg 1894, im Anhang); Rochat, Essai sur Mani et sa doctrine (Genf 1897); Bruckner, Faustus von Mileve. Ein Beitrag zur Geschichte des abendländischen M. (Basel 1901); F. W. K. Müller, Handschriftenreste in Estrangelo-Schrift aus Turfan, Chinesisch Turkistan (Berl. 1904); Salemann, Ein Bruchstück manichäischen Schrifttums im asiatischen Museum zu St. Petersburg (Leipz. 1904). Über die spätern Formen des M. vgl. Döllinger, Beiträge zur Sektengeschichte des Mittelalters (Münch. 1890, 2 Bde.). | Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 13. Leipzig 1908, S. 223-224. | Permalink: http://www.zeno.org/nid/20007046243
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