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Buddhismus  
DEFINITION
  • Duden: nach Buddha benannte Weltreligion | Meyers Großes Konversations-Lexikon 1905: Buddhismus (Buddhaismus), eine Religionsform, die, vom nördlichen Indien ausgehend, sich dem Brahmanismus (s.d.) entgegensetzte. Der Name B. kommt her von dem Sanskritwort Buddha (»der Erweckte«), worunter man einen versteht, der durch die Erkenntnis der Wahrheit und Überwindung aller Sünde zur vollständigen Erlösung von den Banden der Existenz gelangt ist. Man unterscheidet »Pratjekabuddhas«, die diese Erlösung nur für sich selbst erwerben, und »Samjaksambuddhas«, die vor ihrem gänzlichen Entschwinden aus der Welt die zu solcher Erlösung führenden Lehren der Welt mitteilen. Die Zahl der Buddhas, die diese vollkommene Erkenntnis (Bôdhi) erlangt haben, als vollkommene Lehrer aufgetreten sind und noch auftreten werden, ist nach dem Dogma der Buddhisten unendlich. Der historische Buddha, der wirkliche Begründer des B., ist der Adlige (nach späterer Vorstellung Prinz) Siddhârtha aus dem Geschlechte der Çàkja, dem im 6. Jahrh. v. Chr. ein kleines Reich am Fuße des Himalaja untertan war; die Hauptstadt war Kapilavastu; sie ist am 1. Dez. 1896 durch A. A. Führer (s.d.) bei dem nepalesischen Dorf Paderia wiedergefunden worden. Nach der Legende wurde B. auf unbefleckte Weise empfangen, indem er sich als weißer Elefant aus der Götterregion herabsenkte und in den Leib seiner Mutter einging. Schon in frühester Jugend gab er Proben seiner außerordentlichen Begabung; Hang zu einsamer Meditation zeichnete ihn von jeher aus, daher auch sein Name Çâkjamuni (»Einsiedler der Çakja«). Er heißt auch Gautama, nach dem Namen eines vedischen Sängergeschlechts, den die Çâkja angenommen hatten. Nachdenken über die Hinfälligkeit des menschlichen Körpers und Lebens soll ihn dazu bestimmt haben, dem Thron zu entsagen, Weib und hohe Umgebung zu verlassen. Nachdem er sieben Jahre lang als Schüler zweier damals angesehener Lehrer und in harten Kasteiungen der erlösenden Erkenntnis vergeblich nachgetrachtet, soll ihm diese in einer Nacht, wie er zu Uruvela unter dem Bodhibaum (Baum der Erkenntnis) saß, in plötzlicher Erleuchtung zu teil geworden sein. Von da an trat er lehrend auf. Die Sûtra- u. Vinajatexte (s. unten) schildern, wie er, von seinen Jüngern begleitet, das Land durchzog, predigend, disputierend, dem von ihm gestifteten Mönchs- und Nonnenorden die Lebensregeln vorschreibend. Er ist um 560 v. Chr. geboren, um 480 gestorben. Die in dem Werke Köppens (s. unten) gegebene Darstellung seiner Lehre, auf den nordindischen, in Sanskrit geschriebenen Quellen beruhend, ist seit der Bekanntschaft mit den im Pâlidialekt geschriebenen, namentlich in Ceylon erhaltenen Quellen wesentlich modifiziert worden. | Die älteste uns bekannte Lehre des B. spricht sich am kürzesten und klarsten in den »vier heiligen Wahrheiten« aus. Diese sind: 1) Das Leiden. Alles Leben ist Leiden. 2) Die Entstehung des Leidens durch den Durst nach Luft; dieser Durst verstrickt das Wesen in die Seelenwanderung. 3) Die Aufhebung des Leidens durch Aufhebung dieses Durstes. 4) Der achtteilige Weg zur Aufhebung des Leidens: rechtes Glauben, rechtes Entschließen, rechtes Wort, rechte Tat, rechtes Leben, rechtes Streben, rechtes Gedenken, rechtes Sichversenken. Das höchste und letzte Ziel alles geistlichen Trachtens ist das Nirvâna (»Erlöschen«), die Befreiung von Wiedergeburt, das Aufhören alles Leidens. Ob das Nirvana als Eingehen in das Nichts zu denken ist, hierüber soll Buddha die Antwort verweigert haben; die Ausdrucksweise einzelner unter den alten Texten nähert sich bald mehr der Bejahung, bald der Verneinung dieser Frage. Der Weg zu dieser höchsten Erlösung geht durch die drei Gebiete von »Rechtschaffenheit, Sichversenken, Weisheit«. Die Forderungen der »Rechtschaffenheit« haben einen überwiegend negativen Charakter; besonders tritt ein Komplex von fünf Ordnungen in den Vordergrund: kein Wesen des Lebens berauben, nicht fremdes Eigentum, nicht die Gattin eines andern berühren, Enthaltung von Unwahrheit, von geistigen Getränken. Das »Sichversenken« bedeutet die planmäßige Übung einer förmlichen Technik von Konzentration und Ekstase; auch Selbsthypnose spielt hier mit. Die »Weisheit« ist die Erkenntnis der vornehmlich in den vier heiligen Wahrheiten niedergelegten Lehre. Die Übung von Kasteiungen verwirft der B. Es scheint, daß die theoretische Spekulation des B. von der Philosophie des Sânkhjasystems (s. Indische Philosophie), die Praxis seiner Übungen der Konzentration vom Joga (s. ebendaselbst) beeinflußt ist: wobei freilich an ältere Formen von Sânkhja und Joga als die uns vorliegenden zu denken sein wird. Die Anhänger des Buddha schlossen sich zu einem Mönchs- und Nonnenorden zusammen (»Bhikkhu«, »Bhikkhunî«, d. h. Bettler, Bettlerin) und übten streng die Pflichten von Armut und Keuschheit. [...] | Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 3. Leipzig 1905, S. 563-564. | Permalink: http://www.zeno.org/nid/20006379117
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