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Seminarvorsteher  
DEFINITION
  • bdk: siehe Vorsteher | Duden: Seminar: 3. a. Kurzform für: Priesterseminar | b. Kurzform für: Predigerseminar | Duden: Priesterseminar: Ausbildungsstätte für Priesteramtskandidaten; Kurzform: Seminar (3a) | Duden: Predigerseminar: Ausbildungsstätte für Theolog(inn)en zur praktischen Vorbereitung auf den Dienst in der Gemeinde; Kurzform: Seminar (3b) | Meyers Großes Konversations-Lexikon 1909: Seminār (lat. seminarium, »Pflanzschule«), Bildungs- und Vorbereitungsanstalt für Lehrer und Geistliche, namentlich für Volksschullehrer; seit der Kirchenversammlung von Trient (1545–63) amtlicher Name für Anstalten zur Heranbildung von Geistlichen, deren Gründung und Haltung den Bischöfen vorgeschrieben wird (23. Session, Kapitel 18). Erst später wurde, zuerst in Deutschland und Frankreich, das Bedürfnis empfunden, besondere Seminare zur Heranbildung künftiger Lehrer, namentlich für die Volksschule, zu begründen. Die Gründung eines solchen Seminars beabsichtigte schon Herzog Ernst der Fromme von Sachsen-Gotha (gest. 1675). Die Idee eines Seminars für Lehrerinnen vertrat Fénelon in seiner Schrift über die Mädchenerziehung (1687). Ein Séminaire des maîtres d'école schuf in Reims (1684) J. B. La Salle, der Stifter der Christlichen Schulbrüder. Herzog Ernsts Idee wurde von Aug. Herm. Francke (s. d. 1) in Halle weitergebildet, dessen Seminarium praeceptorum (1698) und Seminarium praeceptorum selectum (1707) eine große Anzahl von Lehrern, allerdings besonders für höhere Schulen, vorgebildet haben. Ähnliche Anstalten wurden unter Begünstigung Friedrich Wilhelms I. von Preußen am Waisenhaus auf der Lastadie bei Stettin (1732) und am Pädagogium im Kloster Berge bei Magdeburg (1735) für niedere (deutsche) Schulen eingerichtet, denen 1747 das S. zu Rudolstadt, 1748 das zu Berlin. vom Realschulrektor und Oberkonsistorialrat J. J. Hecker begründet, 1750 und 1751 Schulmeisterseminare zu Hannover, Braunschweig Wolfenbüttel folgten. Meist lehnten diese ersten Schullehrerseminare sich vorhandenen höhern Lehranstalten an. Langsam verbreiteten sie sich, vielfach auch Normalschulen (s. d.) genannt, zumal durch die warme Empfehlung des katholischen Prälaten J. v. Felbiger (s. d.), des protestantischen Domherrn F. E. v. Rochow (s. d. 1), des preußischen Ministers A. v. Zedlitz und der sogen. Philanthropisten (Basedow u. a.), in Deutschland, Österreich, Schweiz etc., erlangten mehr und mehr selbständige Organisation und entwickelten sich zu erfreulicher Blüte. Erneute Aufmerksamkeit wurde dem Seminarwesen seit 1807 unter dem Eindruck der Niederlagen von 1806 und im Geiste Pestalozzis von der preußischen Regierung und gleichzeitig in den größern süddeutschen Rheinbundstaaten gewidmet. Doch ist systematische Fürsorge für Heranbildung tüchtiger Lehrer erst in den letzten Jahrzehnten allgemein als unerläßliche Pflicht des Staates anerkannt worden. Von den (1906) 208 staatlichen Lehrerseminaren im Deutschen Reich, deren 138 auf Preußen entfallen, ist etwa die Hälfte erst seit 1872 entstanden; namentlich reicht von den Lehrerinnenseminaren, deren Preußen 15 staatliche, 33 städtische und private mit staatlicher Berechtigung zählt, kaum eins über die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Von Deutschland aus haben die Seminare sich über die ganze gebildete Welt verbreitet. Auch in Frankreich, wo selbständige Ansätze in den geistlichen Orden vorhanden waren und die Revolution der Lehrerbildung anfangs warme Teilnahme widmete, ist doch die bevorzugte Pflege der Écoles normales, wie dort die Seminare heißen, erst im Laufe des 19. Jahrhunderts unter dem Einfluß des deutschen Vorganges allmählich erwacht. Ebenso in Großbritannien, Nordamerika (Training Schools) und in den skandinavischen Reichen. In Großbritannien und Nordamerika wird jedoch die Vorbildung für das Lehramt an Volksschulen unter vorwiegender Beteiligung des weiblichen Geschlechtes vielfach auch an den Universitäten gesucht. [...] | Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 18. Leipzig 1909, S. 327-328. | Permalink: http://www.zeno.org/nid/20007463030
URI
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