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Fahnenträger  
DEFINITION
  • bdk: siehe Träger | Duden: Fahne: 1. meist rechteckiges, an einer Seite an einer Stange befestigtes Tuch, das die Farben, das Zeichen eines Landes, eines Vereins, einer Gemeinschaft o. Ä. zeigt und als Symbol o. Ä. für etwas gilt | Meyers Großes Konversations-Lexikon 1906: Fahnenträger, s. Fähnrich und Fahne. | Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 6. Leipzig 1906, S. 269. | Permalink: http://www.zeno.org/nid/20006585302 | Meyers Großes Konversations-Lexikon 1906: Fahne (mittelhochd. vane, van, althochd. fano, »Tuch«), ein durch Farbe oder Bild in die Augen fallendes Stück Zeug an einer Stange, diente schon den ältesten Völkern auf ihren Kriegszügen neben andern Feldzeichen zur Unterscheidung der Heeresteile und zur Erhaltung der taktischen Ordnung. Die Inder führten eine große F. mit dem Bilde des Drachen neben vielen bunten Fähnchen. Die alten Ägypter hatten als Feldzeichen Stangen mit hieroglyphischen Sinnbildern, die Perser goldene Adler mit ausgebreiteten Schwingen auf einer Lanzenspitze, die Assyrer Fahnen mit ausgemalten Tauben. Die zwölf Stämme der Hebräer unterschieden sich nach der Farbe und dem Bild ihrer Heerzeichen. Die Griechen führten Fahnen erst seit Lykurg; Sparta hatte als Bild Kastor und Pollux oder auch Herakles, Athen die Eule, den Vogel der Pallas, Theben die Sphinx und Korinth einen zähnefletschenden Wolf. Auch die Römer führten als Feldzeichen (signa) Tierbilder, wie den Adler, die Wölfin, das Pferd, den sagenhaften Minotaurus, den Eber. Später wurde der Adler das alleinige Feldzeichen einer Legion, während für die Manipel der Manipulus, für die Reiterei das Vexillum die F. bildete. Letzteres bestand in einem quadratischen Stück Zeug an einem Stab, der quer an einer Lanze aufgehängt war; das Unterscheidungsmerkmal bildete die Farbe. Unter Aurelian kam ferner der Drache, aus rotem Zeug verfertigt und an vergoldeter, edelsteinbesetzter Stange getragen, in Gebrauch. Das Labarum, ein Stück purpurfarbenes Zeug quer über der Fahnenstange getragen, wurde schon vor Cäsars Zeit geführt, erhielt aber erst durch Konstantin, der ihm eine Fahnenwache von 50 Mann beigab, sein hohes Ansehen. Nach Konstantins Sieg über Maxentius erhielt die Kriegsfahne das Christusmonogramm oder nur das griechische Kreuz; aus ihr entstand die in der katholischen Kirche noch heutigestags gebräuchliche Kirchenfahne (vgl. Donaszewski, Die Fahnen im römischen Heer, Wien 1885). Auch Germanen und Gallier hatten ihre Feldzeichen, aber die eigentliche F. lernten sie erst durch die Römer kennen. Im Mittelalter trug das deutsche Hauptfeldzeichen (Reichsbanner) den Erzengel Michael im Bild, unter Otto II. und seit Friedrich I. den Adler (schwarzer Adler mit des Kaisers Hauswappen auf der Brust im gelben Feld). Otto IV. ließ das Heerbild auf einem Fahnenwagen nach Art des italienischen carroccio (s.d.) führen. Die purpurne Blutfahne, das Zeichen des Kaisertums oder der obersten Lehnsherrlichkeit, wurde bis ins 17. Jahrh. bei der Verleihung der mit dem Blutbann verknüpften Reichslehen durch den Kaiser neben dem Reichsbanner aufgestellt. Das Reichsbanneramt war ein Erzamt, das Leopold I. der neunten Kur (Hannover) verlieh. Kaiser Ludwig der Bayer belehnte 1336 mit der Führung der Reichsfahne den Grafen Ulrich von Württemberg, bei welcher Gelegenheit sie zum erstenmal in den Urkunden des Reiches Sturmfahne genannt wird. Sie wurde dem Feldherrn in der Schlacht vorangetragen. Im Gegensatz zur letztern gab es noch eine Reichsrennfahne, mit deren Führung das Kurhaus Sachsen in der Würde des Reichserzmarschalls belehnt war; sie war schwarz und weiß quergestreift, darin zwei gekreuzte rote Schwerter; im 16. Jahrh. wurden jedoch auch die Fahnen der Reiterei Rennfahnen genannt. Als Zeichen der Vereinigung der Streitkräfte der Nation unter dem Reichsoberhaupt galt die Sturmfahne bis zu Ende des 15. Jahrh. Seitdem waren die Fahnen der kaiserlichen, fürstlichen und ständischen Truppen verschieden, der Adler schmückte nur die der erstern. Lehensherren, denen bis 100 streitbare Männer folgten, führten ein längliches Banner und hießen Bannerherren. In Frankreich sammelten die Gaugrafen ihre Vasallen und Mannen unter dem Gonfanon oder Gonfalon, seit der dritten Königsdynastie kamen Pennous, lange Wimpel, und Bannières, unsern heutigen Standarten ähnelnde Fahnen, in Brauch. Fast sechs Jahrhunderte lang diente die Kappe des heil. Martin und daneben das mächtige pennon royal, das auf einem Wagen in der Mitte des Heeres gefahren wurde, als F. Frankreichs. Unter Ludwig VI. wurde die oriflamme (Ori-, Auriflamme), eine rote, fünfzipfelige Seidenfahne mit grünen Seitenquasten, von einem Querstab herabhängend, Frankreichs sagenumsponnenes Heerzeichen. Ihr folgten die blaue Königsfahne mit weißem Kreuz und die weiße mit goldenen Lilien übersät (Lilienbanner der Bourbonen). Die letztere mußte unter der Republik der Trikolore weichen. Während des Napoleonischen Kaiserreiches erhob sich ein Adler über der F. (vgl. Bouillé, Les drapeaux français, 2. Aufl., Par. 1874; Desjardins, Recherches sur les drapeaux français, das. 1874). Bei den Türken gilt das Aufstecken der F. des Propheten, der heiligen F., am Serail als Zeichen, sich sofort dem Sultan bewaffnet zu Gebote zu stellen. Mit ihr wird häufig eine andre alte, zerrissene F. aus grüner Seide mit Goldfransen verwechselt, die gewöhnlich mit ins Feld genommen und auf einem Kamel vor dem Großwesir hergetragen wird. Eine rote F. (Blutfahne) feuerte sämtliche Moslems zum Glaubenskrieg auf Leben und Tod an. Den ausgedehntesten Gebrauch machen die Chinesen von den Fahnen, sie sind nach Größe, Form, Farbe und Ausstattung von größter Verschiedenartigkeit, meist von seinem Leinen- oder Seidenstoff gefertigt und tragen Inschriften, Namen, Tierbilder und mystische Zeichen. [...] | Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 6. Leipzig 1906, S. 267-268. | Permalink: http://www.zeno.org/nid/20006585167
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