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Lederarbeiter  
DEFINITION
  • bdk: siehe Arbeiter | Duden: Leder: 1. aus Tierhaut durch Gerben gewonnenes, meist zähes, sehr reißfestes Material | Meyers Großes Konversations-Lexikon 1908: Leder, durch verschiedene Prozesse (Gerbprozesse) in der Art veränderte tierische Haut, daß sie unter Erhaltung ihrer wesentlichsten Eigenschaften große Widerstandsfähigkeit gegen äußere Einflüsse aufweist. Während die unveränderte Haut durch Trocknen hornig, hart und brüchig wird, im feuchten Zustande schnell fault und sich beim Kochen mit Wasser unter Bildung von Leim leicht auflöst, besitzt das L. deutlich faserige Struktur und bei genügender Festigkeit große Biegsamkeit und Geschmeidigkeit; es widersteht in der Nässe der Fäulnis und verwandelt sich beim Kochen mit Wasser nicht oder doch schwieriger als Haut in Leim. Die Gerberei verarbeitet hauptsächlich die Häute größerer Säugetiere, aber nicht die ganze Haut, sondern nur die auf chemischem und mechanischem Weg isolierte Schicht, die man als Lederhaut (corium, s. Haut, S. 902), in der Gerberei als Blöße bezeichnet. Die Lederhaut besteht aus Faserbündeln, die aus leimgebender Substanz (Kollagen) gebildet sind und ca. 75 Proz. Wasser enthalten. In diesem Wasser befindet sich eine kleine Menge des Kollagens in scheinbarer Lösung und klebt beim Trocknen der Bloße die Faserbündel zusammen, so daß eine hornartige Masse (Hornleder) entsteht. Alle Gerbprozesse haben den Zweck, das Zusammenkleben der Fasern der Hautschicht beim Trocknen zu verhindern. Man erreicht dies schon durch Alkohol und Glyzerin, aber die so hervorgebrachte »Gerbung« wird durch Wasser sehr leicht beseitigt. Mit Formaldehyd erhält man ein dem sämischgaren L. ähnliches Produkt und auch Pikrinsäure wirkt gerbend. Praktische Bedeutung besitzen aber nur die Gerbung durch Gerbstoff (Loh oder Rotgerberei), durch Alaun mit Kochsalz (Alaun- oder Weißgerberei), durch Mineralsalze, besonders durch Chromsalze (Mineralgerberei), oder durch Fett (Sämisch- oder Ölgerberei). Außer diesen einfachen gibt es noch verschiedene kombinierte Gerbverfahren, bei denen zwei oder selbst mehrere einfache Gerbverfahren zum Ausgerben der Häute angewendet werden, wie denn z. B. das Einfetten der Lederarten eine nachträgliche Fettgerbung darstellt. Die gerbenden Substanzen verbinden sich nicht chemisch mit der Substanz der Haut, sondern dringen nur in deren Poren ein, umhüllen die Fasern und werden von ihnen fixiert, ähnlich wie Farbstoffe von der vegetabilischen oder animalischen Faser in der Färberei. Sie verhindern dadurch das Zusammenkleben der Fasern und sichern dem L. seine Geschmeidigkeit. Das vollkommen gegerbte, gare L. unterliegt schließlich noch bestimmten Behandlungen, durch die es die für den Markt erforderliche Beschaffenheit erhält. | Die Häute sind nach Tiergattung, Alter, Geschlecht, Schlag, Zähmung, Mästung etc. sehr verschieden. Die Zähmung macht die Haut dünner und seiner, Milchhäute (Kalb-, Lamm-, Zickelfelle) sind dünner und von feinerer Struktur als die der erwachsenen Tiere (Strohfresser). Die wichtigsten Häute für die Gerberei sind die des Rindviehs. Wild es Vieh hat stärkere, festere Haut als zahmes, Weidevieh stärkere als im Stall gefüttertes; Stierhäute sind gröber, rauher und am Rücken dünner als Ochsenhäute, dagegen dicker als diese in Nacken- und Bauchgegend; die Haut desselben Tieres ist in der Mitte des Rückens und am Kopf bisweilen doppelt so stark als am Bauch. Stier- und Ochsenhäute und eingeführte Wildhäute geben besonders Sohl- oder Pfundleder, schweres Riemen- und Sattlerleder, Kuhhäute dünneres, weniger dichtes, minder feinkörniges Vacheleder für leichte Sommersohlen, Oberleder, Kutschenverdecke etc.; dünne einheimische und fremde Rindshäute werden auf Schmal- oder Fahl leder, besonders dichte, kurzfaserige und geschlossene Rindshäute auf Sattler- und Geschirrleder und auf Maschinenriemenleder verarbeitet. Büffelhäute finden nur Verwendung für untergeordnete Ledersorten. Kalbfelle geben zähes, weiches, biegsames Oberleder, Kid-, Lackleder etc.; Pferde-, Esel-, Maultierhäute sind dünn, werden aber viel verarbeitet und liefern Sohlleder, ein Surrogat für Kalbleder, L. zu Kutschenverdecken und Sattlerarbeiten; hauptsächlich werden sie aber zu Korduan verwendet. Schaf- und Lammfelle liefern L. von geringerer Stärke zu Handschuhen, Pantoffeln, Futterleder, auch farbiges L. für Buchbinderei etc. Lammfelle liefern vorzügliches Handschuhleder; aus Ziegenfellen macht man Maroquin, Saffian und genarbtes Oberleder für Damenschuhe; Schweinefelle liefern sehr festes Sattlerleder; Hirschfelle werden meist sämischgar gegerbt und auf waschlederne Handschuhe verarbeitet. Robben- und Seehundsfelle liefern L. zu Reisetaschen, Schurzfellen, Mützen und leichten Sommerschuhen. Ausnahmsweise werden auch Nilpferd-, Nashorn-, Elefanten-, Känguruh-, Vögel-, Krokodil- und einige Sorten Fischhäute (Thunfisch), zuweilen auch Hunde-, Katzen-, Gemsen-, Wildschweinsfelle verarbeitet.[307] [...] | Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 12. Leipzig 1908, S. 307-313. | Permalink: http://www.zeno.org/nid/20006985661
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