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Gaukler  
DEFINITION
  • Duden: 1. a. (veraltend) jemand, der akrobatische o. ä. Kunststücke auf dem Jahrmarkt, im Zirkus vorführt | b. (gehoben) jemand, der anderen etwas vormacht, ihnen durch allerlei Tricks etwas vorzutäuschen versucht | Meyers Großes Konversations-Lexikon 1909: Taschenspieler (Prestigiateurs, Prestidigitateurs), Personen, die verschiedenartige, auf den ersten Anblick an das Wunderbare grenzende Kunststücke verrichten. Letztere beruhen auf einer Täuschung des Zuschauers, die der Künstler durch große Gewandtheit in seinen Körperbewegungen und Fingerfertigkeit, durch Ablenken der Aufmerksamkeit des Zuschauers auf Nebendinge vermittelst eines gewandten Vortrags, durch Einverständnis mit einigen Gehilfen und Zuschauern, durch Benutzung der Chemie und Physik, endlich durch allerhand mechanische Vorrichtungen, Behälter mit Doppelböden, durchlöcherte Tische und Fußböden etc. bewirkt. Früher pflegten derartige Künstler alle zu ihren Stücken nötigen Vorbereitungen in einer großen Tasche (Gaukeltasche) mit sich herumzutragen (daher der Name T.). Bei allen gesitteten Völkern wurden solche Künste zur Unterhaltung geübt, vor allen andern berühmt sind die T. Indiens und Chinas. Auch im alten Griechenland und Ram waren T. früh beliebt; ebenso finden wir sie in Italien, wo Praestigiatores, Pilarii (Ballspieler) oder Saecularii (Taschenkünstler) in Städten und Dörfern umherzogen. Auf den Burgen des Mittelalters waren die allezeit willkommenen »fahrenden Leute« (s. d.) zugleich Spielleute, T. und Spaßmacher (joculatores), weshalb letzterer Name in den Ableitungsformen Gaukler und Jongleur ihnen verblieben ist. Sie gerieten früher leicht in den Ruf, Zauberer zu sein, wie der berühmte Doktor Faust. In der letzten Hälfte des 18. Jahrh. zeichneten sich Pinetti, Eckartshausen und vor allen Philadelphia, in neuerer Zeit Bosco, Döbler, Becker, Frickell, Robert-Houdin, Mellini, Agoston, Bellachini, Basch, Hermann als geschickte T. aus. Eine Menge der ältern Taschenspielerkünste findet man in: Martius, Unterricht in der natürlichen Magie, umgearbeitet von Wiegleb, fortgesetzt von Rosenthal (Berl. 1786 bis 1805, 20 Bde.). Über die durch die heutige Physik und Chemie sehr erweiterten Hilfsmittel der modernen Taschenspielerei vgl. die Werke von Robert-Houdin: Confidences d'un prestidigitateur (2. Aufl., Par. 1861, 2 Bde.), Comment on devient sorcier (neue Ausg., das. 1877) und Magie et physique amusante (das. 1877); Grandpré, Le magicien moderne (das. 1879); Marian, Das Ganze der Salonmagie (Wien 1888); Willmann, Die moderne Salonmagie (Leipz. 1891); Hügli, Moderne Magie (Bern 1903). | Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 19. Leipzig 1909, S. 332. | Permalink: http://www.zeno.org/nid/20007564465
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