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westindisch  
DEFINITION
  • Duden: Westindien betreffend | [Anm.: unvollständig: Westindien, die Einwohner von Westindien betreffend; von den Einwohnern von Westindien stammend, zu ihnen gehörend; in Westindien gelegen] | Duden: Westindien: Gebiet der Westindischen Inseln | Meyers Großes Konversations-Lexikon 1909: Westindien (Westindische Inseln; hierzu Karte »Westindien und Mittelamerika«; Rückseite: Karte der Kleinen Antillen, Haupthäfen etc.), der aus mehreren Tausend größern und kleinern Inseln bestehende Archipel, der in nach NW. gerichtetem Bogen das Amerikanische Mittelmeer umgürtet und gliedert und sich von der Mündung des Orinoko bis zu den Halbinseln Florida und Yukatan erstreckt. Er erhielt diesen Namen, weil man ihn anfangs für einen Teil von Indien hielt. W. umfaßt die Großen Antillen, Bahamainseln, Jungferninseln, Inseln über dem Wind, Inseln unter dem Wind (s. die Einzelartikel) sowie einige kleinere Nebengruppen (Cayman-Inseln, Schwaneninseln, Pedro-Keys). Das Areal beträgt 235,580 qkm mit 6,300,000 Einw., wovon bei weitem der größte Teil, nämlich 216,843 qkm und 4,447,400 Einw., auf die Großen Antillen entfallen. Die Verteilung dieses Gebietes auf die einzelnen Hauptinseln zeigt die Tabelle bei »Nordamerika«, S. 745. Die Inseln sind teils niedrig und flach, wie die Bahamainseln, die meisten Nebeninseln Cubas u. a., teils sehr gebirgig und von tiefen Tälern und Schluchten vielfach durchzogen. Die höchsten Berge findet man auf Cuba (2560 m), Jamaika (2488 m) und Haïti (2955 m), während die höchste der Kleinen Antillen, Dominica, nur bis 1900 m ansteigt. Die Küsten sind teilweise zerklüftet und vielfach von Korallenbänken umsäumt; doch ist an vorzüglichen Häfen kein Mangel. Viele der Bäche trocknen während der heißen Jahreszeit aus, überschwemmen aber nach heftigem Regen ihre Ufer. Die Großen Antillen erscheinen als Teile eines großen, durch mehrere Längs- und Querbrüche zerstückelten Kettengebirges, das eine auffallende Ähnlichkeit in seiner Zusammensetzung mit der im Golf von Honduras aus dem Meer emporsteigenden Kordillerenkette von Guatemala (s. Kordilleren) besitzt und demgemäß als eine Fortsetzung dieser und zugleich als ein Bindeglied zwischen dieser und den bis nach Trinidad verfolgten Kolumbianisch-Venezolanischen Anden angesehen wird. Wie die Hauptachsen der Großen Antillen, bestehen auch viele der Kleinen Antillen, so die Virginischen Inseln mit Ste.-Croix, Anguilla, Bartholomé, Antigua, die Osthälfte von Guadeloupe, ein Teil von Barbados und Trinidad, aus einem Kern alteruptiver und kristallinischer Gesteine und angelagerten mächtigen Kreidesedimenten und tertiären Bildungen. Eine innerhalb der Konkavität des ebengenannten Bogens gelegene Zone, die besonders auf den Kleinen Antillen erkennbar ist, ist ganz aus jungvulkanischen Gesteinen aufgebaut und trägt auch noch tätige Vulkane (so die Soufrière von St. Vincent mit ihren großen Ausbrüchen 1812 und 1902, den Mont Pelé [s. d.] von Martinique mit seinem verheerenden Ausbruche 1902, die Soufrière von Guadeloupe, den Mount Misery von St. Christoph, die Soufrière von Santa Lucia). Eine dritte äußere Zone, zu der von den Kleinen Antillen der östliche Teil von Barbados, dann Barbuda, Anegada und Sombrero gehören, dem aber vom geologischen Standpunkt aus auch noch die Bahamas sowie die Halbinsel Florida und der flache Teil von Yukatan angehören, umfaßt nur mitteltertiäre oder noch jüngere, zum Teil koralline Bildungen. Trinidad und Tobago sind ebenso wie die venezolanischen Küsteninseln in ihrer ganzen Natur von W. durchaus verschieden und besser zu Südamerika zu rechnen. [...] | Die Bevölkerung Westindiens bestand zur Zeit seiner Entdeckung aus Arowaken (s. d.) im nördlichen, aus Kariben (s. d.) im südlichen Teil. Von den Arowaken (Cibuney, Gamatabai und Gangul), die in einer monarchischen und erblichen Regierungsverfassung unter Kaziken lebten und schon einige Kultur hatten, ist infolge der grausamen Behandlung durch die Spanier jetzt keine Spur mehr vorhanden, ungeachtet sie zur Zeit der Entdeckung Westindiens gegen 3 Mill. stark gewesen sein sollen. Die Kariben, wild und kriegerisch, setzten den Spaniern hartnäckigen Widerstand entgegen, unterlagen aber doch zuletzt, so daß gegenwärtig nur noch geringe Überreste auf St. Vincent vorhanden sind. Die Spanier gründeten die ersten Niederlassungen auf Cuba, gleich nach der Entdeckung, und ihnen folgten später Franzosen, Engländer, Holländer, Dänen und Schweden. Als die eingebornen Arbeitskräfte fast erschöpft waren, sing man 1524 an, von Afrika Neger als Sklaven (s. Sklaverei) einzuführen. Als infolge der Befreiung der Sklaven, zuerst in den britischen Kolonien (1833), zuletzt auf Cuba (1880), abermals ein Mangel an Arbeitskräften entstand, da die freien Neger sich meist die früher erzwungenen Dienste gegen festen Lohn zu verrichten weigerten, hat man seit 1844 aus Indien und China Kulis eingeführt. Gegenwärtig sind etwa 30 Proz. der Gesamtbevölkerung Westindiens Weiße, wobei allerdings einige nicht ganz reine Farbenschattierungen mitlaufen mögen. Aber während auf Cuba und Porto Rico weit über die Hälfte weiß ist, beträgt die Zahl der Weißen auf allen übrigen Inseln nicht 8 Proz. Unter diesen Europäern und ihren Nachkommen sind 89 Proz. Spanier, 5 Proz. Franzosen und 6 Proz. Engländer. Sämtliche Bewohner sind dem Namen nach Christen, doch hängen viele Neger noch an ihrem alten Fetischdienst, und selbst Menschenopfer kommen unter ihnen vor (s. Haiti, S. 635). Mit Ausnahme von Haïti (s. d. und »Dominikanische Republik«) und Cuba sind die Inseln Kolonien Großbritanniens, Frankreichs, der Niederlande, Dänemarks und der Nordamerikanischen Union. Politisch verteilt sich demnach W. in folgender Weise: [...] | Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 20. Leipzig 1909, S. 563-565. | Permalink: http://www.zeno.org/nid/20007690177
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