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Irländer  
DEFINITION
  • Duden: Ire: Einwohnerbezeichnung zu Irland | Duden: Irland: 1. große Insel westlich von Großbritannien | 2. Staat, dessen Gebiet den größten Teil der Insel Irland umfasst | Meyers Großes Konversations-Lexikon 1907: Irland (hierzu Karte »Irland«; engl. Ireland, bei den keltischen Urbewohnern Eirin oder Erin, d. h. Westland, woraus die bei den Alten üblichen Namen Ierne, Ivernia und Hibernia entstanden), ein mit Großbritannien vereinigtes Königreich, umfaßt die westliche der beiden großen britischen Inseln und liegt zwischen 51°26'–55°23' nördl. Br. und zwischen 5°20'–10°26' westl. L. [...] | Die Bevölkerung Irlands hat wohl zum größten Teil keltisches Blut in den Adern. Jedenfalls haben sich die Nachkommen der schottischen und englischen Kolonisten den eingebornen Kelten derart assimiliert, daß sie in Charakter und Sinnesart als Kelten, d. h. als echte Iren, gelten müssen. In I. wie im Osten Europas bildet aber nicht die Nationalität, sondern die Religion die Scheidewand unter der Bevölkerung. Nicht Kelte und Sachse stehen sich hier gegenüber, sondern Protestant und Katholik, Orangeman und Papist. Bei gewissen nationalen Fragen gehen jedoch beide Parteien oft Hand in Hand, nur daß der protestantische Ire, seinem Ursprung getreu, besonnener und in seinen Ansprüchen gemäßigter ist als der beweglichere Kelte. Von einer keltischen Nationalsprache kann kaum noch die Rede sein, und die Bemühungen der Society for the preservation of the Irish language (s. Keltische Sprachen) werden ohne nachhaltigen Erfolg bleiben, obgleich es ihr gelungen ist, Irisch als Unterrichtsgegenstand in einigen Schulen einzuführen. Indes bedienten sich 1891 immerhin noch 680,174 Menschen der irischen Sprache (gegen 1,204,684 in 1851), aber nur 38,121 Menschen waren des Englischen unkundig. Am zahlreichsten ist diese irisch sprechende Bevölkerung im W. und SW. des Landes und namentlich in Donegal, in Mayo, Galway und Clare, in Kerry und den abgelegenen Gegenden von Cork und Waterford. Die sächsische Rasse bildet die Mehrzahl im westlichen Ulster, wo namentlich Schotten und neben ihnen auch Engländer den Hauptstamm der Bevölkerung ausmachen. Sie erstreckt sich auch von Dublin aus durch die Mitte des Landes bis nach Tipperary hinein und zum Shannon; ferner hat sie in Wexford und Waterford festen Fuß gefaßt. Mit ihr vermischt leben die Abkömmlinge der skandinavischen Eroberer aus frühester Zeit. Von untergeordneter Bedeutung waren die Spanier, die sich in Galway und Kinsale niederließen, und die protestantischen Pfälzer (Palatines), die Lord Southwell im 17. Jahrh. bei Limerick einführte. Beim keltischen Grundstock der Bevölkerung lassen sich zwei Typen unterscheiden. Die sogen. Milesier (der Sage nach von den aus Spanien herübergekommenen Söhnen des Königs Milesius abstammend) haben schwarzes Haar, glänzende, dunkle Augen, ovales Gesicht, sein gebildete und nervige Formen. Sie herrschen im W. und S. vor. Das mittlere I. und die Bergbezirke bewohnen die echten Iren, mit hohen Backenknochen, stumpfer Nase, rundem Gesicht, grauen Augen, grobem braunen Haar, muskulösem Körper und untersetztem Wuchs. Diese sämtlichen Elemente sind aber derart verschmolzen, daß man füglich von einer irischen Nationalität sprechen kann. | Der Charakter der echten Iren ist ein höchst eigentümliches Gemisch von allerlei einander großenteils widersprechenden Eigenschaften. Ein beweglicher, leichter Sinn bildet die Grundlage des irischen Charakters, und derselbe zeigt fast alle Tugenden, die mit solchem vereinbar sind, während seine Fehler meist in entsprechendem Mangel an Besonnenheit, Ausdauer und Selbstbeherrschung beruhen. Dichterische Begabung, Kunstsinn, Liebe zur Musik und Beredsamkeit lassen sich dem Irländer nicht absprechen. Er ist wißbegierig, schlau, scharfsinnig und witzig. Aber bei allen geistigen Anlagen fehlt ihm die Tiefe; oberflächlich in seinem Tun und Denken, unzuverlässig bei der Arbeit, wenig ausdauernd und flatterhaft, ist er großen Aufgaben nicht gewachsen. »Paddy« (wie man den Iren nach dem oft vorkommenden Namen Patrick nennt) ist gutherzig und vertrauensvoll, verdient aber selbst kein Vertrauen. Verräterei hat in allen irischen Erhebungen stets eine traurige Rolle gespielt. Mit der Wahrheit nimmt er es bei großer Einbildungskraft nicht sehr genau. Reizbar, zur Rauferei und zu Gewalttätigkeiten geneigt, liebt er auch laute Lustbarkeit. Ebenso leicht, wie er sich der Völlerei ergibt, erträgt er auch den Mangel und ist zufrieden, wenn er nur Kartoffeln hat, das Leben zu fristen. | Religion. Im J. 1901 zählte man 3,310,028 Katholiken (74,2 Proz.), 579,385 Mitglieder der bischöflichen Kirche (13,0 Proz.), 443,494 Presbyterianer (9,9 Proz.), 61,255 Methodisten, 56,703 andre Dissidenten und 3769 Juden. Dagegen bildeten die Katholiken 1731 nur 65 Proz., 1834 aber 81 Proz. der Bevölkerung. Die ehemalige protestantische Staatskirche wurde 1871 aufgehoben, ihr Vermögen (16,5 Mill. Pfd. Sterl.) eingezogen und aus ihm den Geistlichen etc. Leibrenten (zusammen 228,856 Pfd. Sterl.) ausgesetzt oder eine einmalige Entschädigung gezahlt. Ferner wurde der aus der ehemaligen Staatskirche hervorgegangenen Church of Ireland 1 Mill. Pfd. Sterl. als Entschädigung für Privatstiftungen gewährt; das katholische Maynooth College erhielt 372,330 Pfd. Sterl., die Presbyterianer 751,625 Pfd. Sterl., die ehemaligen Kirchenpatrone 740,510 Pfd. Sterl. Der Überschuß (etwa 5,2 Mill.) wird für allgemeine Zwecke verwendet. An der Spitze der »Kirche von I.« stehen 2 Erzbischöfe (zu Armagh und Dublin) und 11 Bischöfe. Ihre Synode besteht aus 2 Häusern, deren erstem die Bischöfe, dem zweiten 208 Geistliche und 416 Laien angehören, während der aus ihr hervorgegangene Representative Church Body außer den Bischöfen aus 52 Mitgliedern besteht; er verwaltet das Kirchenvermögen (jetzt über 8 Mill. Pfd. Sterl.). Die römisch-katholische Kirche steht unter 4 Erzbischöfen (Armagh, Dublin, Cashel, Tuam) und 23 Bischöfen. Sie unterhält 2420 Kirchen mit 3525 Geistlichen, 97 Mönchs- und 270 Nonnenklöster. [... 9 | Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 10. Leipzig 1907, S. 14-25. | Permalink: http://www.zeno.org/nid/20006828191
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