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Philister  
DEFINITION
  • Meyers Großes Konversations-Lexikon 1908: Philister (Philistäer), ein mit griechischen, bestimmter karischen Elementen stark durchsetzter semitischer Volksstamm, der in frühester Zeit an der Ostküste des Mittelmeers den Strich bewohnte, der etwas südlich vom heutigen Jaffa beginnt und sich über Gaza hinaus erstreckt (s. Karte »Palästina«). Ihr Gebiet zerfiel nach den Hauptstädten Ekron, Gath, Asdod, Askalon und Gaza in fünf Kreise, deren jeder von einem Fürsten (Séren) regiert wurde. Ihre Städte waren volkreich, mit großen Tempeln, in denen sie den Baal und die Astarte verehrten, geschmückt und von Mauern umgeben. Anfänglich schwach, steigt ihre Macht in der zweiten Hälfte der Richterzeit, und sie bekämpfen die Israeliten bis in die Zeit Davids meist mit Glück. Auch Saul mit seinen Söhnen fällt im Kampf gegen sie bei Gilboa. Erst David, der einst bei ihnen Zuflucht gefunden hatte und in ihre Dienste getreten war, gelingt es nach seiner Erhebung zum Alleinherrscher, ihre Macht zu brechen, so daß sie nach 70jährigem Kampfe von der Eroberung Israels abstehen. Unter Joram zogen sie, mit den Arabern vereint, gegen Jerusalem. Später wurden sie vom syrischen Reich verschlungen, doch hat sich die alte Bezeichnung des Landes »Peléschet« (in den assyrischen Keilinschriften: Palastav oder Pilista) in dem Namen Palästina bis jetzt erhalten. – Auf deutschen Universitäten werden als P. alle Nichtstudenten bezeichnet. Der Name wird von Wiedeburg (»Beschreibung der Stadt Jena«, Jena 1785) auf blutige Händel zwischen Jenaer Studenten und Bewohnern der Johannisvorstadt (um 1690) zurückgeführt. Einem dabei erschlagenen Studenten hielt angeblich der Oberpfarrer Götze die Leichenpredigt über den Text: »Philister über dir, Simson!« (Richter 16,9. 12. 14. 20). In der Literatur findet P. als Studentenausdruck sich zuerst 1777 bei Adelung, der ihn von Ballistarii (Armbrustschützen) als dem Namen der Stadtmiliz ableitet, wie denn wirklich die als Armbrustschützen bekannten Jazygen in Ungarn auch Philistaei hießen. Später bekam der Spottname P., zu dessen Erklärung übrigens schon der alttestamentliche Gegensatz des auserwählten Volkes gegen die heidnischen P. der Seeküste genügt, den besondern Nebensinn eines engherzigen Spieß- oder Pfahlbürgers. Daher philiströs: beschränkt, pedantisch, schwunglos in Ansichten, Tun und Treiben, im Gegensatz zu burschikos, d.h. jugendlich, idealistisch, keck. | Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 15. Leipzig 1908, S. 788. | Permalink: http://www.zeno.org/nid/20007247052
URI
https://vocabs.acdh.oeaw.ac.at/traveldigital/Concept2032600
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