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Barbareske  
DEFINITION
  • Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon 1837: Barbaresken oder Berberei nennt man den großen Landstrich, welcher sich auf der Nordküste von Afrika längs dem mittelländ. Meere hinzieht, westl. vom atlant. Ocean, südl. von der Saharawüste und Biledulgerid oder dem Dattellande, östl. von Ägypten begrenzt wird und auf 35,000 ! M. kaum 12 Mill. Einw. zählt. Die Barbaresken zerfallen in die drei sogenannten Raubstaaten Tripolis mit der Landschaft Barka, Tunis, Algier, welches letztere seit 1830 eine franz. Colonie geworden ist, und das Reich Fez und Marokko. Das Atlasgebirge, dessen auf 13,000 F. geschätzter und mit Schnee bedeckter höchster Gipfel in Marokko liegt, zieht von SW. nach NO. in mehren Zweigen durchs ganze Land und enthält die Quellen vieler Flüsse, von denen aber keiner schiffbar wird; Landseen sind nur wenige vorhanden. Das Klima ist im Allgemeinen gesund, in den Ebenen und auch an der felsigen Küste, wo es jedoch durch die Seeluft gemildert wird, sehr warm, in den Berggegenden aber gemäßigt. Schnee fällt nur auf den höhern Gebirgen; in den Ebenen kennt man nicht einmal den Reif und der Winter ist nur eine Regenzeit. Der Boden ist, die vielen Sandgegenden abgerechnet, durchgehend sehr fruchtbar und es gedeihen daselbst fast alle Pflanzen der südl. Zone, namentlich wird viel Getreide gebaut. Zu den vorzüglichsten Producten gehören ferner die durch Schnelligkeit und Ausdauer berühmten schönen Pferde, Büffel, Schafe, Dromedare, Kameele, Antilopen, Strauße, Löwen, Hyänen und andere Raubthiere, Wild und Geflügel in Menge, Schildkröten, Affen, Gazellen u.s.w.; Heuschrecken erscheinen oft als gefürchtete Landplage in großen Schwärmen. Das Mineralreich liefert Eisen, Blei, Kupfer, Zinn, Salpeter, Salz und Schwefel, auch finden sich Spuren von Gold und Silber; warme Mineralquellen sind sehr viele vorhanden und die Küste ist reich an Korallen. Den Namen Berberei erhielt das Land von seinen ältesten Bewohnern, den Berbern, einem kräftigen Volksstamme, den aber eine Menge Ansiedler und Eroberer fast verdrängt haben. Gegenwärtig besteht die Bevölkerung außer ihnen hauptsächlich in Mauren, Beduinen, Negern, Juden und wenigen Christen in den größern Städten. Die herrschende Religion ist der Islam und das Arabische die Landessprache. Die älteste Landesgeschichte knüpft sich an die des benachbarten Ägyptens und der Phönizier, welche hier durch Kunstfleiß und Handel blühende Colonien gründeten. Die mächtigste unter diesen ward Karthago, das einen großen Theil des Landes beherrschte, bis es von den Römern nach hartem Widerstande 146 v. Chr. überwunden wurde. Mit Karthago kam der größte Theil der Berberei, die westl. Provinzen ausgenommen, unter röm. Herrschaft und war nach Ägypten eine der reichsten und einträglichsten Provinzen des Reichs, die Kornkammer Roms genannt, und der Lieblingsaufenthalt reicher Römer, welche sich hier prächtige Paläste und Landhäuser bauten. Bei der Theilung des röm. Reichs, 395, ward die Berberei zum abendländ. Kaiserthume geschlagen und blieb bei demselben, bis sie 429 von den Vandalen erobert wurde, die daselbst ein neues Reich gründeten, welchem 534 die griech. Kaiser ein Ende machten. Christliche Religion und Cultur singen nun an sich in der Berberei zu verbreiten, wurzelten aber nicht tief genug, um dem Islam nicht zu unterliegen, als von 647–85 die Araber unter dem Bruder des Khalifen Othman sich das ganze Land unterwarfen, von wo sie nach Spanien eindrangen. Die Berberei gehörte jetzt zum großen Khalifat, bis 755 die Statthalter derselben sich für unabhängig erklärten und zunächst zwei Reiche bildeten, von denen das eine Algier, Tunis und Tripolis, das andere Fez und Marokko umschloß. Doch schon im 10. Jahrh. singen arab. und Mamlukendynastien an, bald größerer, bald kleinerer Landestheile der Berberei sich zu bemächtigen. Ihrem Beispiele folgten auch Europäer; schon Ludwig der Heilige hatte 1270 die Absicht, Tunis zu erobern, doch gelang es erst den Portugiesen durch die Eroberung der Stadt Ceuta, 1415, sich in der Berberei festzusetzen. Als die aus Spanien vertriebenen Mauren und Juden, welche sich an der afrikan. Küste ansiedelten, seit 1494 anfingen, von dort aus durch Seeräuberei sich zu rächen, unternahm Ferdinand der Katholische einen großen Kreuzzug gegen sie, eroberte 1506 Oran und mehre Städte, machte Tunis und Tremezen zinsbar, nahm 1509 Tripolis und Algier ein und erbaute auf einer Insel vor dem Hafen dieser Stadt ein festes Schloß, in welches er eine starke Besatzung legte. Doch nach seinem Tode riefen die Algierer den türk. Seeräuber, Horuk Barbarossa, zu Hülfe, der sich zu ihrem König aufwarf und sie so tyrannisch regierte, daß sie bei den Spaniern Beistand suchten, deren Flotte aber der Sturm zerstreute. Horuk's Nachfolger und Bruder, Schereddin, unterwarf sich und sein Königreich 1519 dem Sultan Soliman und regierte nun in Algier (s.d.) als türk. Pascha. Auch Tunis (s.d.) und Tripolis (s.d.) geriethen im 16. Jahrh. unter türk. Herrschaft und nur Marokko (s.d.) blieb stets von der Pforte unabhängig. Die drei Jahrhunderte lang zuerst gegen Spanien, dann aber gegen alle christlichen Staaten ohne alle Ausnahme, wenn sie nicht Tribut zahlten, ausgeübten Seeräubereien hörten erst nach der Eroberung Algiers durch die Franzosen zufolge der mit den Regierungen von Tunis und Tripolis abgeschlossenen Verträge, auf, nachdem mehre frühere Versuche von Seiten Frankreichs (1682 und 1687), der Vereinigten Staaten Nordamerikas (1815) und Englands (1816) vergebens gewesen waren. | Quelle: Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 1. Leipzig 1837., S. 182. | Permalink: http://www.zeno.org/nid/2000081332X
URI
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