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lyoner  

Definition

  • Duden: lyonesisch: Lyon, die Lyoner betreffend | [Anm.: unvollständig: Lyon, die Lyoner betreffend; von den Lyonern stammend, zu ihnen gehörend; in Lyon gelegen] | Duden: Lyon: Stadt in Frankreich | Meyers Großes Konversations-Lexikon 1908: Lyon (spr. lióng: hierzu der Stadtplan), Hauptstadt des franz. Depart. Rhone, drittgrößte Stadt Frankreichs und eine der bedeutendsten Industrie- und Handelsstädte Europas, 165–310 m ü. M., unter 45°46´ nördl. Br. und 4°49´ östl. L., an der Mündung der Saône in die Rhone malerisch gelegen,[902] hat angenehmes, gesundes, jedoch feuchtes und durch häufige Nebel beeinträchtigtes Klima. Der innere und ältere Teil der Stadt hat im allgemeinen enge Straßen mit alten, düstern, oft 6–7 Stockwerke hohen Häusern; die neuern Stadtteile sind dagegen durchgehends von schöner Anlage. L. zerfällt in 6 Arrondissements. | Die eigentliche Stadt (1. und 2. Arrondissement) erstreckt sich von N. nach S. auf einer 5 km langen, 600–900 m breiten Halbinsel bis zum Zusammenfluß der Rhone und der Saône und ist der Sitz der großen Industriefirmen und des Handels, zugleich des Reichtums und des Luxus; im NW. davon erhebt sich eine steile Anhöhe, auf deren Plateau sich aus bergigen, volkreichen Gassen der Stadtteil La Croix Rousse (4. Arrondissement), zusammensetzt, das eigentliche Viertel der großen Masse von Seidenarbeitern, das mit der innern Stadt durch zwei Drahtseilbahnen in Verbindung gesetzt ist. An diese Vorstadt, die, wie die übrigen, 1852 mit L. vereinigt wurde, schließen sich unmittelbar Chartreux und St.-Serin und jenseit der Saône das seit der Überschwemmung von 1840 neugebaute Viertel Vaise an. Auf dem rechten Ufer der Saône liegt weiter der Stadtteil Fourvière (benannt nach dem forum vetus Trajans, 5. Arrondissement), die älteste Stadtanlage von L., am Fuße und auf dem Plateau des gleichnamigen Hügels, der eine herrliche Aussicht (bis zu den Alpen) gewährt und mit der untern Stadt an der Saône durch eine Drahtseilbahn verbunden ist; dann die Vorstädte St.-Irénée, St.-Just und St.-Georges. Am linken Rhoneufer liegt in der Ebene das stark bevölkerte Arbeiterviertel La Guillotière (3. Arrondissement) und an dieses nördlich anschließend das erst am Anfang des 19. Jahrhunderts entstandene, regelmäßig angelegte, vornehme Viertel Les Brotteaux (6. Arrondissement), das mit dem 1857 angelegten Park Tête d'Or (114 Hektar), der einen zoologischen und botanischen Garten sowie ein großes Wasserbassin mit zwei Inseln umfaßt, seinen Abschluß findet. Die Rhone hat in L. eine durchschnittliche Breite von 200 m und im Vergleich zur Saône starkes Gefälle; sie verursacht plötzliche und große Überschwemmungen (zuletzt 1840 und 1856), gegen welche die niedrig gelegenen Stadtteile, insbes. die beiden zuletzt genannten, durch kostspielige Eindämmungen geschützt worden sind. An den Ufern der Saône und der Rhone zieht sich eine Reihe von (28) Kais in einer Gesamtlänge von 40 km hin, die zum Teil mit Anlagen ausgestattet und durch 25 Brücken miteinander verbunden sind. Unter den Plätzen sind hervorzuheben: der Hauptplatz Bellecour, der Mittelpunkt des reichsten Stadtteils, die Lieblingspromenade der Lyoner, mit einer Reiterstatue Ludwigs XIV. (von Lemot); die Place des Terreaux, mit schönem Springbrunnen; die Place des Jacobins mit einem Monumentalbrunnen; die Place Carnot mit einer Statue der Republik (1890); die Place Tolosan mit einem Denkmal Suchets; die Place Sathonay; die Place de la Croix Rousse mit einem Denkmal Jacquards; die Place Morand mit einem Monumentalbrunnen von Desjardins und die Place Raspail mit einer Büste Raspails. Zu den schönsten Straßen gehören die Rue de la République, die parallel mit derselben laufende Rue de l'Hôtel de Ville, die Rue Victor Hugo, die Boulevards de la Croix Rousse und du Nord, der Cours du Midi, die Cours Morand, Lafayette, Gambetta etc. Viele der Hauptstraßenzüge und mehrere Brücken sind elektrisch beleuchtet. Von öffentlichen Gebäuden verdienen erwähnt zu werden: die Primatialkirche St.-Jean, am Fuße des Hügels Fourvière, ein überwiegend gotischer Bau, 1480 vollendet (die romanische Kapelle St.-Pierre aus dem 12. Jahrh.), mit reicher Fassade, vier Türmen, schönen Glasmalereien, einer 10,000 kg schweren Glocke (von 1662), einer astronomischen Uhr und der schönen Bourbonenkapelle; die Kirchen St.-Martin d'Ainay (10.–13. Jahrh.), St.-Nizier (15. Jahrh.), St.-Bonaventura (15. und 19. Jahrh.) und die 1872–94 im modernisierten byzantinischen Stil neben der ältern Wallfahrtskapelle erbaute Kirche Notre-Dame de Fourvière, im Innern mit blauen Marmorsäulen und reicher Ausstattung; der erzbischöfliche Palast; das Stadthaus (1646–55 von dem Lyoner Architekten Maupin erbaut), mit dem Reliefbild Heinrichs IV. an der imposanten Fassade und den Bronzegruppen der Rhone und Saône von den Brüdern Coustou im Hof; das Massif des Terreaux mit Passage; der Kunstpalast (Palais St.-Pierre) mit den Kunstsammlungen; der monumentale Handels- und Börsenpalast (1854–61 von Dardel erbaut); der Justizpalast; die neuen Gebäude der Präfektur und der medizinischen Fakultät (1890, im Hof Denkmal Claude Bernards); das Hôtel-Dieu (Hospital), zu Anfang des 6. Jahrh. gegründet, mit monumentaler Fassade; das große Theater (1830) und das Théâtre des Célestins (1880). Außer den erwähnten hat L. noch Denkmäler des Botanikers Bernard de Jussieu, des Tierarztes Bourgelat (in der Tierarzneischule), des Arztes Bonnet (im Hôtel-Dieu), ferner Reste von Bädern, eines Theaters und von Wasserleitungen aus der Römerzeit. L. ist seit 1856 im Besitz einer großen Wasserleitung, die vier große Reservoirs zählt und täglich 30,000 cbm Wasser liefern kann. [...] | Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 12. Leipzig 1908, S. 902-905. | Permalink: http://www.zeno.org/nid/20007028539

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