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Charesmier  

Definition

  • bdk: iranisches Volk in Zentralasien | Meyers Großes Konversations-Lexikon 1906: Chiwa (Charesm, Choarizm, Chowarezm, Chorazin, »Land der Niederung«, auch Urgendsch, s. Karte »Zentralasien«), ein Chanat und seit 1872 russ. Vasallenstaat in Westturkistan, im S. des Aralsees, zwischen 41 und 433/4° nördl. Br., begrenzt im O. vom Amu Darja gegen die nach ihm benannte russische Provinz, im S. von der Sandwüste Karakum, im W. von der Transkaspischen Provinz, umfaßt 60,000 qkm und besteht hauptsächlich aus Sandwüste; nur im Delta-des Amu Darja zieht sich ein auf dem linken Ufer breiterer Streifen fruchtbaren Landes hin. Im ganzen ist höchstens ein Drittel ertragfähiges Land. Die Sommer sind heiß, die Winter streng, aber kurz, der Regenfall gering, Sandstürme herrschen im Herbst und Winter. Man baut Weizen, Gerste, Hirse, Reis, Früchte (berühmte Melonen), Flachs, Krapp, Baumwolle, Wein. Dromedare und Schafe werden allgemein gehalten; sehr geschätzt ist das Pferd, Esel sind selten, die Rinder klein. In der Steppe gibt es Wölfe, Schakale, Füchse, Hirsche, Antilopen, Adler, Sperber; die letztern werden zur Jagd abgerichtet. Die 800,000 Köpfe zählende Bevölkerung setzt sich aus nomadisierenden und angesessenen Stämmen zusammen. Zu den erstern gehören 10,000 Kirgisen, hauptsächlich um den Dankarasee, 50,000 Karakalpaken (s.d.) im N., in der Nähe des Aralsees, des Dankarasees, der Städte Kungrad, Chodscheili und Kiptschak, endlich 170,000 Turkmenen (s.d.), zum größten Teil Jomuden (Bairam Ali), dann Tschoudoren und einige tausend Goklanen, im ganzen etwa 400,000 Nomaden. Die angesessene Bevölkerung besteht aus je 200,000 Uzbeken (s.d.) und Sarten und einigen tausend Persern (frühere Sklaven). Die Uzbeken sind die herrschende Bevölkerung (ihnen gehört der Chan an), doch sind ihnen iranische Elemente beigemischt; sie wohnen hauptsächlich in der Stadt C., in Gurlen, Chasar Asp, Mangyt, Kiptschak und treiben Ackerbau, die türkisch sprechenden Sarten dagegen Handel. Die Industrie (Töpferei, Teppich-, Baumwoll- und Seidenweberei) ist unbedeutend. Der Handel erstreckt sich vorzugsweise auf Baumwolle, Seide, Schaffelle und Getreide. – Münzen und Gewichte sind in Verwirrung und richten sich mehr und mehr nach den russischen. Der große Tilla von Gold, = 15,89 Mk., ward bisher 14 Abassi zu 2 Tianie (Tenga) von 40 Pul gleich gerechnet; die Pul sind Kupfer- und Messingmünzen. Auch persische, bucharische Münzen und holländische Dukaten sind im Umlauf. Das Batman von 40 Sihr wird zu 48 russischen Pfund = 19,66 kg angenommen. Die Regierung ist erblich und despotisch, doch ist die diplomatische Vertretung und das Recht, Verträge abzuschließen, an Rußland abgetreten, dem auch für 2,2 Mill. Rubel Schuld das Land verpfändet ist. Die Einnahmen des Chans (die Turkmenen sind steuerfrei) beziffern sich im Jahr auf 350–400,000 Rubel. Die Familien- und Handelssteuern werden in Geld, die Grundabgaben (etwa ein Drittel) in Naturalien entrichtet. Die Armee besteht aus etwa 2000 Mann. – Nächst der Hauptstadt C. (s. unten) ist der bedeutendste Handelsplatz Kunja-Urgendsch, mit 3000 Einw. | Geschichte. Aus der Zeit des persischen Königsgeschlechts der Achämeniden (5. Jahrh. v. Chr.) kennen wir von C.nicht vielmehr als den Namen (Choarizm, später Chwaresm, Charesm). Nach Herodot bildeten die Choaresmier mit den Parthern, Sogdiern und Ariern den 16. Bezirk des Perserreichs; im Heer des Xerxes kämpften sie unter eignen Feldherren, und Pharasmanes (Phradasmenes), Satrap von Chorasmien, stellte sich Alexander d. Gr. vor, als dieser nach Zariaspa (Baktra) kam. Die Herrscher des Landes gehörten wohl den Nomadenvölkern an, welche die Oase damals wie jetzt umgeben. Im 6. Jahrh. n. Chr. war ihr König von dem östlich davon residierenden Chakan der Türken abhängig; aber noch um 1000 hatte Choarizm seine eignen Herrscher (Farighun-Dynastie). Die Ghasnawiden besaßen C. in der ersten Hälfte des 11. Jahrh.; kurz danach eroberten es die Seldschuken. 1097 erhielt Kuthb eddin Mohammed, der Sohn des von Melekschah (1072–92) eingesetzten Türken Anushtegin, die Statthalterschaft mit dem Titel eines Chwaresm-Schahs, gewann die Anhänglichkeit der Bewohner und versammelte Gelehrte an seinem Hof. Diese Chwaresm- (Chwarizm-) Schahs wurden den Seldschuken-Sultanen bald gefährlich und zuletzt die Erben ihrer Macht. In dieser Zeit des Ruhmes und der Blüte erstreckte sich C. im W. vom Kaspischen Meer hinab bis Bagdad und umfaßte fast ganz Persien, Teile von Afghanistan und die Oxusländer bis zum Sir Darja. Dschengis-Chans Sohn Tuli verwüstete C. um 1220, zog aber wieder ab. Nach dem Tode des großen Eroberers (1227) umfaßte das Teilreich Dschagatai, genannt nach einem andern seiner Söhne, alle Länder am Oxus und Jaxartes und fast das ganze Tarimbecken. Als Timur im Frühjahr 1372 seinen ersten Feldzug nach C. unternahm, herrschte dort Husein Sofi als Usurpator; Timur machte die Ansprüche der Dschagataiden, deren allmächtiger Majordomus er war, geltend; doch Husein warf seine Gesandten ins Gefängnis. Timur drang nun von Bochara aus vor, nahm die Hauptstadt Ket, warf den Gegner nach Urgendsch zurück und schloß mit dessen Bruder Jusuf Frieden. Letzterer brach ihn. Timur rückte 1373 aufs neue vor, kehrte indes auf Bitten Jusufs um; 1376 nötigte ihn ein Angriff auf Samarkand wieder zur Umkehr. Erst 1379 wurde Ket gestürmt. 1388, nach dem fünften Raubzug, traf Timur Anstalten zum Wiederaufbau der Städte. Fast ein Jahrhundert lang erfreute sich nun C. der Ruhe, bis türkische Horden die Hauptstadt eroberten; um 1484 kam das Land auf kurze Zeit an Persien. Als Sunniten wollten die Chiwesen sich den schiitischen Persern nicht fügen und riefen 1515 den von Dschengis-Chan abstammenden uzbekischen Prinzen Ilbars zum Chan aus; dieser vertrieb die Perser. Seitdem blieb C. mit mehrfachen Unterbrechungen bis 1873 unter der Herrschaft der Uzbeken. [...] | Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 4. Leipzig 1906, S. 73-74. | Permalink: http://www.zeno.org/nid/20006420907

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